Der Blick aus dem Fenster sah nicht sehr vielversprechend aus, es regnete fröhlich vor sich hin, war grau und besonders warm wirkte es ebenfalls nicht. Wir waren auf Grund des Jetlags natürlich auch relativ früh wach, so dass es noch gar keinen Sinn machte in Richtung Innenstadt aufzubrechen. Stattdessen fuhren wir mit dem Mietwagen zu einem gut bewerteten Frühstückslokal in der Nähe. Dort angekommen waren wir noch eine der wenigen Gäste, im Laufe der zeit wurde es aber immer voller und das Essen war sowieso lecker.
Zurück im Airbnb bestellten wir uns einen Lyft und ließen uns direkt zum Bunker Hill Monument fahren, wo der Freedom Trail beginnt (oder endet). Der Fahrer war mal wieder ganz nett und wir quatschten ein wenig über den Verkehr und Boston.

Bunker Hill Monument

Inzwischen hatte es zum Glück aufgehört zu regnen und war nur noch grau. Wir hatten zum Glück ja unsere Schottland erprobten Regenjacken dabei und deswegen erstmal keine Sorgen. Am Bunker Hill fand 1775 eine Schlacht zwischen den Briten und den amerikanischen Unabhängigkeitskämpfern statt, zu Ehren dieser Schlacht wurde der Obelisk aufgestellt. Er ist 64 Meter hoch und man kann ihn besteigen um von oben die Aussicht zu genießen. Für uns war das natürlich Ehrensache und außerdem konnten wir dann gleich die Kalorien vom Frühstück verbrennen.

Boston Skyline

Dich Sicht von hier oben war wirklich fantastisch und auch das trübe Wetter verdarb uns den Spaß nicht. Leider war es auch ziemlich windig, trotzdem lohnt sich der Aufstieg eigentlich immer. Klare Empfehlung von uns. Der Ausblick verschaffte uns auch gleich einen ganz guten Überblick über das restliche Tagesprogramm. Von hier aus wollten wir entlang des Freedom Trails in die Stadt laufen und alles Interessante am Wegesrand entdecken.

Winthrop Square

Zunächst führte unser Weg durch Charlestown und an den Winthrop Square. Hier gibt es sehr viele klassische Brown Stones, also Backsteinhäuser. Die Gegend ist sehr gepflegt und auch wir könnten uns vorstellen hier ein Häuschen zu besitzen. Neben ein paar wenigen Touristen trafen wir vor allem Einheimische die Morgensport machten oder mit ihrem Hund Gassi gingen.

USS Constitution

Nach kurzer Strecke kamen wir dann bei der USS Constitution an. Sie liegt im Boston Naval Shipyard, der bis 1945 noch als Militärhafen genutzt wurde und inzwischen ein Teil des Nationalpark Systems ist. Die USS Constitution wurde 1798 fertig gestellt und ist immer noch in Betrieb. Sie ist deswegen das älteste noch seetüchtige Kriegsschiff der Welt. Heute lässt sich das Schiff zu Fuß besichtigen, man wird aber zu erst von Soldaten überprüft denn es handelt sich ja um ein aktives Kriegsschiff.

USS Constitution Kanonen

Die USS Constitution ist natürlich schon beeindruckend, besonders wenn man das Alter und die Geschichte des Schiffes bedenkt. Im Schiff selbst kann man dann noch ein paar Kanonen und allerhand Schiffsutensilien bestaunen. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall, zumal man keinen Eintritt bezahlen muss.

Charlestown Bridge

Der Freedom Trail führte nun weiter über die Charlestown Bridge. Von der Brücke hat man einen recht guten Blick auf die Innenstadt von Boston, allerdings ist sie wahrscheinlich der Alptraum aller Menschen mit Höhenangst. Der Weg über die Brücke besteht komplett aus Gitterrosten mit direkten Blick nach unten. Ein kurzes Stück ist dann aber geschlossen und wir wissen nun, dass Höhenangst als Acrophobie bezeichnet wird.

Paul Revere Statue

Als nächstes ging es nun ins North End, einen der älteren Stadtteile Bostons. An der Paul Revere Statue herrschte reges Treiben, denn hier schienen sich gerade alle Touri Gruppen verabredet zu haben. Paul Revere war ein Freiheitskämpfer im Unabhängigkeitskrieg und in Boston ein großer Held.

North Square Park

Nach kurzer Strecke kamen wir am North Square an und schlenderten etwas durch die Gegend, bestaunten die Häuser und freuten uns, dass es gerade nicht regnete. Grau und etwas frisch war es trotzdem noch weswegen wir uns auch gleich weiter Richtung Downtown bewegten.

North End Park Boston

Am Übergang vom North End nach Downtown findet sich ein kleiner Park mit Wasserspielen, die bestaunten wir aber nur kurz und machten uns lieber wieder auf den Weg.

Marshall Street Boston

Auffällig waren auch die vielen Baustellen aber die ganzen Kopfsteinpflaster müssen ja auch gepflegt werden. Apropos Kopfsteinpflaster: es gibt davon zwar schon zahlreiche aber im vergleich zu Europa ist das natürlich nicht weiter auffällig. Vorher hatte ich ein paar Berichte von Amerikanern gelesen die vor den Gefahren der Pflastersteine gewarnt hatten. Natürlich alles völlig unbegründet…

Faneuil Hall

Weiter ging es zum Quincy Market und zur Faneuil Hall. Der ganze Komplex besteht aus Shops und Souvenirläden, war aber eigentlich mal ein Marktplatz und zahlreiche wichtige Reden zur Unabhängigkeit wurden hier gehalten. Nachdem nun aber ein fieser Nieselregen einsetzte und wir sowieso eine kleine Pause benötigten, suchten wir uns den nächsten Starbucks und gönnten uns ein heißes Getränk. Im Starbucks war es wegen der Mittagszeit schon recht voll, vor allem fing es aber außen nun an richtig zu schütten.

Granary Burying Ground

Nach einiger Zeit hatte sich der Regen halbwegs gelegt und wir brachen wieder auf. Unterwegs kamen wir am Granary Burying Ground vorbei. Hier sind zahlreiche berühmte Bostoner Persönlichkeiten begraben, wie z.B. Samuel Adams und zwei weitere Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung. Viele Eichhörnchen vergnügten sich hier und zahlreiche Schulklassen bekamen Geschichtsunterricht vor Ort.

Streets of Boston

Durch Bostons Straßen ging es weiter entlang des Freedom Trails. Der Freedom Trail ist eine super Sache, kann man hier doch quasi eine kostenlose Stadtführung machen ohne sich zu verlaufen. Während der gesamten Strecke läuft man nämlich an roten Backsteinen im Boden entlang und muss diesen nur Folgen.

Massachusetts State House

Nicht weit entfernt findet sich das Massachusetts State House mit seiner goldenen Kuppel. Es ist nicht nur ein begehrtes Fotomotiv sondern kann auch besichtigt werden. Nachdem es wieder stärker anfing zu regnen und wir State Capitols sowieso immer spannend finden betraten wir in froher Erwartung das Gebäude.

Massachusetts State House Kuppel

Nach kurzer Suche fanden wir auch den Startpunkt der geführten Touren, lange warten mussten wir zum Glück auch nicht! Unser Guide war super und erzählte uns allerhand interessante Fakten. Das State House ist von innen durchaus beeindruckend und lohnt den Besuch auf jeden Fall. Alles ist frei zugänglich damit es vor den Bürgern keine Geheimnisse geben kann.

Massachusetts House of Representatives

Wir durften uns auch das Repräsentantenhaus ansehen, die anderen Plenarsäle wurden gerade umgebaut. Sogar das Büro des Gouverneurs konnten wir besichtigen, da waren dann Fotos aber nicht erlaubt. Außen regnete es inzwischen noch mehr als zuvor und wir suchten uns erstmal eine Bank für eine kurze Pause.

Boston Public Garden

Nachdem der Regen wieder schwächer wurde wagten wir uns nach außen und liefen durch den Boston Public Garden. Zuvor ging es auch noch durch den Boston Common. Damit hatten wir dann den ersten öffentlichen Park der USA (Boston Common) und den ersten botanischen Garten der USA (Public Garden) besucht, was ja auch eine Leistung ist.

Copley Square Boston

Unterwegs schauten wir dann ein paar Shops an und kamen irgendwann am Copley Square an. Dort irrten wir ein wenig durch eine ziemlich leere Mall und machten mal wieder Pause weil wir inzwischen schon recht platt waren. Kaum raus aus der Mall dachte sich das Wetter, dass es uns nun doch mal zeigen könnte, wie richtiger Regen in New England ausschaut. Es goss so stark, dass man ohne weiteres auf der Straße hätte duschen können. Wir suchten uns einen Unterstand und wurden trotzdem ordentlich nass.

Mikes Pastry Boston

Einmal quer durch die ganze Stadt ging es jetzt zurück ins North End. Hier haben sich sehr viele Italiener angesiedelt und eigentlich sollte man eher Little Italy dazu sagen. Bei Mike’s Pastry hatten wir noch einen wichtigen Stopp geplant. Hier gibt es angeblich Boston’s beste Cannoli und das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Sie waren wirklich mega lecker.
Trotz der nicht geraden kleinen Cannoli wollten wir noch zu Abend essen. In Richtung Cambridge gab es eine Cheesecake Factory und da der Besuch bei uns irgendwie Tradition hat, konnten wir das natürlich nicht auslassen. Zu Fuß sollte es ca. 25 Minuten dauern, auf Grund des Berufsverkehrs war an Lyft oder Uber nicht zu denken. Wir machten uns also auf den Weg, besonders schön war der nicht aber immerhin trocken. Das Abendessen war dann ganz gut und mit einem Lyft ging es zurück zum Airbnb, unser Fahrer kam aus der Türkei, seine Verwandschaft komplett aus Deutschland – wir hatten also Gesprächsstoff. In der Wohnung machten wir nicht mehr viel, denn wir waren nur noch müde. Morgen sollte es dann schon nach Maine gehen!